Umweltschutz auf dem Wasser: Wichtige Verhaltensregeln für SBF See Anfänger

2026.08.01
Umweltschutz auf dem Wasser: Verhaltensregeln für SBF-See-Anfänger beim Wassersport

Die Unterscheidung zwischen einem Skipper, der sein Boot unfallfrei in die Box manövriert, und einem, der das Wasser sauberer hinterlässt, als er es vorgefunden hat, klang für mich lange nach Kalenderspruch, bis mir im Online-Kurs für den SBF See ein Kapitel über Umweltschutz auf See vor die Nase kam, das mit den üblichen Wassersport-Regeln für Anfänger nicht mehr viel zu tun hatte. Plötzlich ging es nicht mehr um rote und grüne Tonnen oder wer wem ausweichen muss, sondern darum, dass das Meer kein endloser blauer Parkplatz ist, sondern ein Ökosystem, das Freizeitkapitäne wie ich schneller schädigen können, als der Motor überhaupt anspringt.

Die gelbe Welle im Hafen, die ich falsch verstand

Zurückdenken muss ich dabei an Anfang 2026, als mein Schwager Götz mich auf seinen Wochenendtörn an der Ostsee mitgenommen hat. Ich stand im Hafen, hatte von nichts eine Ahnung und starrte auf ein Schild mit einer gelben Welle drauf. Mein erster Gedanke: eine Warnung vor starkem Wellengang. Götz hat nur gegrinst und mir erklärt, dass die Gelbe Welle ein Gütezeichen für Marinas ist, die bestimmte Umweltstandards einhalten – und schickt mir seitdem ab und zu Fotos von seinen Törns mit der Bildunterschrift „Wann kommst du nach?"

Damals war mir das herzlich egal, ich wollte nur mal ans Steuer. Inzwischen, mitten im Umweltrecht-Kapitel, sehe ich das anders: Gute Seemannschaft heißt nicht nur, das Boot unfallfrei in die Box zu bekommen, sondern auch, dem Wasser mit Respekt zu begegnen. Fast wie beim Programmieren, man hinterlässt den Code idealerweise sauberer, als man ihn vorgefunden hat, nicht dreckiger.

Smartphone-Nahaufnahme: SBF-See-Lern-App zeigt das Gelbe-Welle-Symbol für Umweltschutz-Marinas

KW 10: Der Morgen, an dem die Laternen endlich saßen

Fortschritt zeigt sich bei mir selten spektakulär, eher in kleinen Momenten. In KW 10 saß ich beim Frühstück mit der Lichterführungstabelle neben der Kaffeetasse und habe zum ersten Mal jede Laterne auf Anhieb dem richtigen Schiffstyp zugeordnet, ohne zu raten oder zurückzublättern. Kein großes Aha-Erlebnis, eher das leise Gefühl, dass sich das ständige Wiederholen doch irgendwann auszahlt.

Genau in dieser Woche kam dann auch das Kapitel über Umweltrecht dazu, und da half mir die Lichterführung herzlich wenig. Vorher hatte ich mir extra eine Seezeichen-Tabelle ausgedruckt und an die Kühlschranktür geklebt, in der festen Überzeugung, dass mir das beim Kaffeeholen automatisch hängenbleibt. Wochenlang bin ich daran vorbeigelaufen, ohne wirklich hinzuschauen – die Tabelle wurde Tapete, kein Lerneffekt in Sicht.

Mein Schreibtisch am Fenster in der Altbauwohnung in Ehrenfeld sieht inzwischen aus wie eine Mischung aus Entwicklerbüro und Bootsschule: zwei Monitore, daneben das SBF-Lehrbuch und ein zerfledderter Seekartenausschnitt, während auf dem Küchentisch nebenan Tau-Reste liegen, an denen ich am Wochenende erfolglos einen Palstek üben wollte – das Ergebnis sah aus, als hätte ihn jemand mit geschlossenen Augen gebunden. Der Browser-Tab mit dem Online-Kurs ist seit Wochen nicht mehr zugegangen.

MARPOL und Umweltschutz auf See: Mehr Respekt als jede Vorfahrtsregel

Als Softwareentwickler bin ich trockene Dokumentation gewohnt, aber Gesetzestexte über Abwasserentsorgung sind noch mal eine andere Hausnummer. Das internationale Übereinkommen zur Verhütung der Meeresverschmutzung, kurz MARPOL, listet Bußgelder für ein versehentliches Auslaufen von Öl in einem Naturschutzgebiet auf, die mir kalt den Rücken runterliefen. Ein kleiner Fehler beim Tanken oder eine defekte Bilgepumpe, und man ist nicht nur seinen Schein los, sondern auch ordentlich Geld.

Im Kursforum hat das offenbar nicht nur mich kalt erwischt. Ein anderer Teilnehmer, Wilfried Kupfer, schrieb unter dem Kapitel offen, dass ihn die Bußgeld-Tabelle mehr beeindruckt habe als jede Navigationsaufgabe – und dass er bei seinem ersten Versuch genau an dieser Navigationsaufgabe gescheitert sei. Sätze wie dieser helfen mir mehr als jedes Erklärvideo, weil klar wird, dass ich mit meinen Fragezeichen nicht allein dastehe.

Drei Meilen, zwölf Meilen: Wohin mit dem Abwasser?

Naiv dachte ich, man dürfe auf See einfach alles über Bord kippen, solange es „natürlich" sei. Falsch gedacht. MARPOL Annex IV regelt das ziemlich genau: Zerkleinertes und desinfiziertes Abwasser darf erst jenseits von drei Seemeilen vor der nächsten Küste eingeleitet werden, unbehandeltes Abwasser direkt aus dem Tank sogar erst ab zwölf Seemeilen. Für uns Freizeitsegler in Küstennähe heißt das im Klartext: Das Zeug bleibt im Tank, bis man im Hafen an einer Absauganlage liegt.

Besonders in der Ostsee, die als „besonderes Gebiet" gilt, sind die Vorgaben oft noch strenger. Wer sein Grauwasser einfach in die Bucht kippt, handelt nicht nur illegal, sondern auch rücksichtslos gegenüber allen, die dort baden oder angeln wollen. Vielleicht hätte ich doch gleich den SRC Funkschein zusammen mit dem SBF See machen sollen, dann könnte ich im Zweifel wenigstens per Funk fragen, ob meine Bilge noch dicht ist – kleiner Scherz, aber die Technik am Boot macht mir nach diesen Lektionen fast mehr Sorgen als die Navigation.

Seehunde, Schwefel und Grenzen, die ich nicht kannte

Wer wie ich in Köln wohnt, sieht beim Spaziergang am Rheinufer in Deutz höchstens mal eine Ente auf dem Wasser. Auf See, besonders im Wattenmeer, gelten andere Maßstäbe: Zu Seehundbänken muss ein Mindestabstand von 300 Metern eingehalten werden, sonst geraten die Tiere in Panik und verlassen im schlimmsten Fall ihre Jungen. Für ein Selfie ist mir das seitdem jeden Umweg wert.

Dazu kommt die Sache mit dem Schwefel. In den sogenannten SECA-Zonen, zu denen Nord- und Ostsee zählen, darf der Schwefelgehalt im Kraftstoff maximal 0,1 Prozent betragen. Das betrifft vor allem die großen Frachter, aber auch als Kleinfahrzeugführer sollte man wissen, was eigentlich in den eigenen Tank kommt – Wissen, das in der Prüfung genauso gnadenlos abgefragt wird wie die Technikfragen, über die ich schon in meinem Beitrag zur SBF Motorkunde für Anfänger geschrieben habe.

Detailansicht einer Seekarte mit markierten Naturschutzgebieten und Navigationszirkel – MARPOL-Wissen für SBF See

Das unsichtbare Problem unter der Wasserlinie

Am meisten hat mir dieser Punkt die Sichtweise verändert: Plastik nicht ins Meer zu werfen, ist längst Standard und braucht keine Erklärung mehr. Weniger sichtbar, aber ökologisch schwerer wiegend, sind Antifouling-Anstriche, mit denen die meisten Bootsrümpfe unter der Wasserlinie behandelt werden, damit sich dort keine Muscheln oder Algen festsetzen.

Diese Farben enthalten oft Biozide, die dauerhaft ans Wasser abgegeben werden. Der Verzicht auf klassische, giftige Anstriche – oder der Umstieg auf mechanische Reinigung – ist für das maritime Ökosystem offenbar deutlich wichtiger als die Frage, ob die eigene Brotdose aus Plastik oder Edelstahl ist. Ein bisschen wie in der Softwareentwicklung: Man kann die Oberfläche polieren, wie man will – wenn darunter etwas grundlegend faul ist, schadet das dem gesamten System trotzdem.

Was der Kurs sonst noch mit mir macht

Der Kurs springt ohnehin ständig zwischen den Themen hin und her. Mal geht es um Steuerbord und Backbord und die Eselsbrücken, mit denen ich die beiden inzwischen zuverlässig auseinanderhalte, mal um Kursdreiecke, die ich mit dem Zirkel auf der Übungskarte konstruiere. Dazwischen wechseln sich Wochen mit dem Betonnungssystem und den Seezeichen und Wochen mit Schallsignalen ab, die ich mir nur über Eselsbrücken merken kann, weil stures Auswendiglernen bei mir schlicht nicht funktioniert. Erst kürzlich kamen die Vorfahrtsregeln auf See dazu, bei denen ich zumindest die Grundfälle inzwischen im Schlaf aufsagen kann, und das Mensch-über-Bord-Manöver, das ich bisher nur in der Theorie kenne und in der Praxis vermutlich mehrfach vermasseln werde. Ob SBF See vor dem Binnenschein drankommt oder umgekehrt, war für mich nie wirklich eine Frage, weil ich ohnehin an der Küste unterwegs sein will. Und wie man das Lernen neben einem Vollzeitjob überhaupt in den Alltag quetscht, ist bei mir noch nicht abschließend gelöst – aktuell heißt die Antwort: Mittagspausen und Zugfahrten.

Wenn ich demnächst mein SBF See Navigationsset auspacke, um Kursdreiecke auf echten Karten zu legen, werde ich die kleinen grünen Symbole für Naturschutzgebiete jedenfalls nicht mehr übersehen.

Fazit: Gute Seemannschaft fängt im Kopf an

Nach diesen Wochen sehe ich das Hobby Wassersport mit anderen Augen. Es geht nicht nur ums Steuern und Knotenlernen, sondern um Verantwortung für etwas, das einem nicht gehört. Ich bin kein Profi, kein Segellehrer, und meine Knoten sehen weiterhin eher nach Zufall als nach Absicht aus – aber ich habe verstanden, dass wir auf dem Wasser nur Gäste sind.

Die eine Lehre, die bei mir hängengeblieben ist: Umweltschutz auf See ist kein Bonus-Kapitel für Idealisten, sondern so verbindlich wie die Vorfahrtsregel bei Backbord-Kurs – wer den SBF See ernst nimmt, muss auch das ernst nehmen, was unter der Wasserlinie passiert und außerhalb der Sichtweite bleibt. Abwasser in den Tank, Abstand zu den Seehunden, ein wacher Blick auf den eigenen Unterwasseranstrich – das nehme ich aus diesem Kapitel mit, lange bevor ich überhaupt ein eigenes Boot habe.

Hinweis: Ich bin Softwareentwickler und SBF-Schüler, kein Rechtsexperte für maritimes Umweltrecht. Die hier genannten Regeln sind mein aktueller Lernstand für die Prüfung. Bevor ihr selbst aufs Wasser geht, solltet ihr euch immer über die aktuell geltenden lokalen Vorschriften informieren oder einen Fachmann konsultieren.

Mal kurz: Kurz: Was du hier liest, ist meine eigene Sicht -- keine Beratung. Hol dir bei Fragen zu deiner Gesundheit oder deinem Geld immer den Rat einer Fachperson, die deinen Fall wirklich kennt.