
Dreimal ist mir der Präsenztermin für den Ausweichregeln-Block mitten in ein Sprint-Ende gerauscht, weil der Präsenzkurs grundsätzlich montags anfing, nämlich an genau dem Tag, an dem bei mir im Job die Deadlines fallen. Nach dem dritten Ausfall habe ich den Wochenkurs storniert und mir die SBF-See-Ausweichregeln komplett online und in meinem eigenen Tempo beigebracht. Was davon wirklich hängengeblieben ist und was nicht, beschreibe ich hier – nicht als fertiges Regelwerk, sondern als die Reihenfolge, in der ich mir das Thema selbst zugänglich gemacht habe.
Kurzer Hinweis, bevor es weitergeht: Hier tauchen ab und zu Affiliate-Links zu dem Online-Kurs auf, mit dem ich gerade selbst durch die SBF-See-Theorie arbeite. Bucht jemand darüber, bekomme ich eine kleine Provision, am Preis ändert das nichts. Empfohlen wird hier nur, was ich selbst gerade auf dem Bildschirm habe.
Warum ich die Ausweichregeln getrennt von allem anderen lerne
Der Fachbegriff dafür lautet Kollisionsverhütungsregeln, kurz KVR, und schon das Wort allein bremst meinen sonst ziemlich sortierten Entwickler-Kopf kurz aus. Anders als bei einzelnen Fakten geht es hier um Situationen mit mehreren beweglichen Teilen gleichzeitig – zwei Boote, zwei Kurse, eine Entscheidung, wer zuerst reagiert, und das Ganze bewegt sich weiter, während ich noch überlege, so als würde ich versuchen, eine Race Condition im Kopf zu debuggen.
Beim reinen Wiederholen setze ich dafür weiterhin auf den Sportbootführerschein SBF See-Binnen [Aktuell im Test], weil der Quizmodus mich zwingt, jede Szene wirklich durchzudenken, statt den Begleittext nur zu überfliegen.
Drei Fragen vor jeder Ausweichsituation
Statt die Paragrafen der Reihe nach auswendig zu lernen, habe ich mir drei Fragen zurechtgelegt, die ich vor jeder Übungsaufgabe automatisch durchgehe: Welche Fahrzeugtypen sind überhaupt beteiligt, wer sieht wen auf welcher Seite, und gibt es eine Ausnahme, die die Grundregel aussticht. Beantwortet ist damit noch nichts – aber die Reihenfolge sortiert meinen Kopf, bevor ich überhaupt in Richtung Lösung denke.
Für die Grundlagen zur Vorfahrt selbst – wer wem eigentlich weicht und warum – gibt es hier im Blog einen eigenen Text, den ich beim Üben ständig nebenbei offen hatte, genau wie zur Frage, ob man See oder Binnen zuerst angeht.
Bevor der Stoff überhaupt in Wochenpläne passte, musste ich erst mal klären, wie sich das Ganze neben einem Vollzeitjob organisieren lässt – dabei hat mir der SBF See und Binnen Lernplan als Gerüst geholfen.
Anders als beim Kursdreieck, wo Zirkel und Karte am Ende einen festen Punkt ergeben, geht es bei den Ausweichregeln um Entscheidungen in Echtzeit, bei denen sich die Situation weiterbewegt, während ich noch rechne.
Wie genau der Prüfungstag abläuft und wo die Ausweichregeln darin auftauchen, steht separat im Ablauf der SBF See Prüfung – für mich war wichtig, das getrennt von der reinen Regel-Logik zu betrachten, damit ich nicht Prüfungsangst und Regelwerk gleichzeitig im Kopf sortieren muss.
Wie bringe ich Backbord, Steuerbord und den Rest der Begriffe auseinander?
Bei Backbord und Steuerbord hakt es bei mir am längsten, vor allem wenn mir ein Boot frontal entgegenkommt und ich im Kopf spiegeln muss – und genau derselbe Verwechslungs-Reflex kommt zurück, sobald Tonnen oder Schallsignale ins Spiel kommen, auch wenn das inhaltlich eigene Themenblöcke sind.
Mit den Ausweichregeln verwandt, aber bewusst getrennt geübt, sind bei mir außerdem das Mensch-über-Bord-Manöver, die sechs Prüfungsknoten, die Gezeitenberechnung und die Beaufort-Windstärken – jedes davon hat seine eigene Logik, und wer alles gleichzeitig durcheinanderwirft, verliert schneller den Überblick, als er gewinnt.
Szenarien mischen statt Blöcke pauken
Am meisten gebracht hat mir am Ende nicht das stumpfe Wiederholen ganzer Frageblöcke, sondern das Mischen: eine Ausweichsituation, dann eine Frage zu einem ganz anderen Thema, dann wieder eine Ausweichsituation mit vertauschten Rollen. Sobald ein Muster zu vorhersehbar wird, klicke ich mich nicht mehr durch Logik, sondern durch Reihenfolge – und das merkt man erst, wenn die Reihenfolge fehlt.
In kniffligeren Fällen skizziere ich die Situation zusätzlich auf einer BSH-Seekarte, die eigentlich für ganz andere Übungen gedacht ist – das Papier ist so breit, dass es seitlich über die Tischkante hinausragt, aber zwei Pfeile für Kurs und Position reichen meistens schon, um zu sehen, wer wem ausweichen müsste.
Getestet habe ich das auch an der Schlei bei Schleswig, wenn ich sowieso in der Nähe war: Zwei Boote laufen aufeinander zu, ich sage mir selbst laut vor, wer nach der Logik weichen müsste, und schaue dann, ob es auch so kommt. Trifft die Vorhersage zu, ist das für mich ein besseres Signal als jede richtig angeklickte Quizfrage.
Der Online-Kurs passt besser zu meinem Alltag als der Präsenztermin
Ganz reibungslos läuft das trotzdem nicht. Ohne festen Termin fehlt mir an manchen Abenden schlicht die Disziplin, den Laptop überhaupt aufzuklappen, und diese Freiheit ist beim Sportbootführerschein SBF See-Binnen Online-Kurs gleichzeitig Segen und Problem.
Ein Nachbar, der regelmäßig bei Chorkonzerten im Kölner Dom mitsingt, meinte neulich, das kenne er aus dem Chor genauso: Am Anfang übt man jede Stimme stur einzeln durch, irgendwann hört man ganze Passagen, ohne noch bewusst mitzuzählen.
Ob ich die Ausweichregeln inzwischen wirklich kann, zeigt sich für mich nicht daran, ob ich eine Definition fehlerfrei aufsagen kann, sondern daran, ob ich bei einer neuen Situation innerhalb weniger Sekunden eine Antwort habe, die ich auch begründen kann. Das ist der einzige Maßstab, den ich für mich noch gelten lasse, alles andere ist am Ende Fleißarbeit mit Klickzahlen.