
285 Fragen prüft der offizielle ELWIS-Fragenkatalog für den SBF See. Genau in dem Moment, als mir diese Zahl als Segel-Anfänger schon reichlich einschüchternd vorkam, schlug mein Schwager vor, ich solle gleich noch den SRC-Funkschein mitmachen — "ist doch quasi derselbe Aufwand". Dieser eine Satz ist der Mythos rund um die Kombiprüfung, den ich hier auseinandernehmen will, denn "derselbe Aufwand" stimmt so pauschal nicht. Vorab: Auf dieser Seite stehen gelegentlich Affiliate-Links zu einem Online-Kurs für den Bootsführerschein, den ich selbst gerade durcharbeite — kommt darüber eine Buchung zustande, bekomme ich eine Provision, ohne dass sich für dich am Preis etwas ändert. Verlinkt wird nur, was ich tatsächlich selbst benutze.
Der Mythos vom gleichen Aufwand: SRC und SBF See kombinieren
Das SRC — Short Range Certificate — ist das beschränkt gültige Funkbetriebszeugnis, das zwingend nötig wird, sobald ein UKW-Funkgerät an Bord ist. Auf See gehört ein Funkgerät praktisch zur Standardausrüstung, weshalb viele Bootsschulen die Kombiprüfung mit dem SBF See im Paket anbieten — und genau daraus entsteht der Mythos: Wer sowieso bei den 285 Fragen für den SBF See sitzt, kann das bisschen SRC angeblich locker mitnehmen.
Nur ist "das bisschen" der eigentliche Denkfehler. Der SRC-Fragenkatalog bringt eigene Themenblöcke mit, die im SBF-See-Stoff gar nicht vorkommen — das NATO-Buchstabieralphabet zum Beispiel, das ich inzwischen murmelnd bei Spaziergängen am Aachener Weiher übe, während Passanten mich schräg ansehen.
Whiskey, Echo, Romeo, November, Echo, Romeo — bei "Yankee" und "Zulu" hänge ich immer noch, was bei einer Prüfung mit Publikum vermutlich kein gutes Bild abgibt.
Ich nutze aktuell den Sportbootführerschein SBF See-Binnen [Aktuell im Test], um bei beidem den Überblick zu behalten — SBF-Theorie und SRC-Modul liegen im selben Dashboard, was zumindest organisatorisch hilft.
Wofür brauchst du das SRC überhaupt?
Wer nur zwei Wochen im Jahr ein Hausboot auf der Mecklenburger Seenplatte oder in Holland mietet, braucht in erster Linie den SBF Binnen und das UBI, das Funkzeugnis für den Binnenschifffahrtsfunk. Das SRC hilft dort rechtlich gesehen gar nichts — eine aufwendige Zusatzqualifikation für ein Gewässer, auf dem sie nie zum Einsatz kommt.
Olaf Jessen, eine Bekanntschaft aus meiner praktischen SBF-Fahrausbildung hier in Köln, hatte das für sich schon vor der ersten Übungsstunde klar. Er sagt Sätze wie "sonst hätte ich mir das SRC gespart" ziemlich unverblümt, genauso offen, wie er zugibt, wenn ihm ein Anlegemanöver komplett danebengeht. Er hat für seine Fahrpraxis extra ein Wochenende nach Köln investiert und lernt neben seinem Job als IT-Projektleiter, ähnlich wie ich, nur mit spürbar mehr Theorie-Vorsprung.
Das ist im Kern dieselbe Weichenstellung wie die Frage, ob man als Anfänger ohne eigenes Boot eher den SBF See oder Binnen zuerst angehen sollte — nur eine Etage tiefer, beim Funkschein statt beim Führerschein selbst.
Die eigentliche Kostenstelle: nicht Geld, sondern Kopf
Der Frequenzbereich von 156 bis 174 MHz will sitzen, dazu kommt eine englische Diktat-Prüfung: ein Funkspruch von etwa 100 Wörtern, einmal von Englisch ins Deutsche übersetzt und zurück. Seefunk-Englisch ist speziell, kein Business-Englisch, eher ein fester Sprechgesang mit klaren Regeln.
Mayday heißt Seenot, Pan-Pan heißt Dringlichkeit, und den Unterschied im Ernstfall nicht zu verwechseln, ist der eigentliche Sinn hinter der ganzen Diktat-Übung. Vorfahrt auf See funktioniert nach ganz eigener Logik, und die leuchtet mir erst richtig ein, seit ich lerne, wie ein Funkspruch im Ernstfall aufgebaut ist — Theorie und Funk-Praxis erklären sich gegenseitig.
Ich hatte mir fest vorgenommen, jeden Abend nach der Arbeit eine Stunde durchzupauken. Nach zwanzig Minuten nickte ich am Küchentisch weg, die Nase fast im Lehrbuch, und wachte erst wieder auf, als mir der Stift aus der Hand fiel. Diese Stunde-pro-Abend-Rechnung ging bei mir schlicht nicht auf.
Wie man das Lernen fürs SBF überhaupt neben einem Vollzeitjob getaktet bekommt, ist noch mal ein eigenes Thema, das über die reine SRC-Frage hinausgeht.
Wann sich die Kombi wirklich lohnt
Steuerbord und Backbord verwechsle ich mittlerweile nicht mehr, und genau an so einem kleinen Punkt merke ich, dass der Stoff langsam sitzt, statt nur auswendig gelernt zu sein.
Das Kursdreieck mit Zirkel auf der Seekarte ist der Moment, in dem die Theorie für mich zum ersten Mal greifbar wird. Die Seekarte selbst ist aus glattem Papier vom BSH und minimal zu breit für meinen Schreibtisch — ich halte sie an einer Ecke fest, damit sie nicht wieder einrollt.
Betonnungssystem, Schallsignale nach der KVR und das Mensch-über-Bord-Manöver für die praktische Prüfung sind jeweils ein eigenes kleines Fach für sich, das ich hier nur am Rand streife, weil es sonst den Rahmen sprengt. Zwischen alldem und dem SRC-Stoff obendrauf wird der Kopf phasenweise voller, als jeder Feierabend verträgt.
Jutta Blohm, eine Studienfreundin aus dem Informatik-Studium, die heute als UX-Designerin in Düsseldorf arbeitet, hat mir letztens einen Link zu einer gestalterischen Analyse historischer Seekarten geschickt, rein aus Interesse an Layout und Symbolik, nicht an Navigation. Überraschend erhellend, weil ich seitdem Kartensymbole anders lese, fast wie ein Interface.
Willst du binnen bleiben, auf Kanälen und Seen, vielleicht zweimal im Jahr auf einem Hausboot, kannst du dir das SRC sparen und die Zeit lieber in Seemannssprache für Anfänger oder das Lernen von Hafenmanövern stecken. Hast du dagegen echte Ambition Richtung Nord- oder Ostsee, zahlt sich die Kombi aus.
Mein Fazit vor der Prüfung
Was ich noch mal in Ruhe anschauen muss, sind die genauen Abläufe beim Empfang einer Seenotmeldung — da werfe ich Kanäle und Reihenfolge noch durcheinander. Falls dich eher die bürokratische Seite der Anmeldung nervös macht, hilft die Checkliste für die SBF Prüfung Anmeldung beim Sortieren.
Der Mythos vom "gleichen Aufwand" stimmt also nur für einen Teil der Anfänger. Für alle mit echtem Kurs Richtung Meer lohnt sich die Kombiprüfung trotzdem handfest: eine Prüfungsfahrt statt zwei, ein Prüfungsausschuss statt zwei Termine, und das SRC verfällt — anders als so manche Software-Zertifizierung — nie wieder, sobald es einmal bestanden ist.
Nach über einem Jahr mit dem Thema sage ich das inzwischen mit einiger Sicherheit, auch wenn mein Palstek nach wie vor eher nach verfilztem Kopfhörerkabel aussieht als nach Knoten. Wer selbst überlegt, ob sich die Kombi lohnt, findet im Sportbootführerschein SBF See-Binnen [Aktuell im Test] die Möglichkeit, das SRC-Modul dazuzubuchen — trotzdem lohnt sich vorher ein Anruf bei einer Segelschule vor Ort, wie dort die praktischen Prüfungstermine getaktet sind.