Meine Erfahrungen mit Seekrankheit als Anfänger auf dem ersten Törn

2026.10.29
Meine Erfahrungen mit Seekrankheit als Anfänger auf dem ersten Törn

An einem grauen Samstagmorgen vor der Küste von Fehmarn verwandelte sich mein Magen in einen Klumpen aus kaltem Blei. Genau in der Sekunde, als ich die steile Niedergangstreppe in den Salon hinabstieg, um eine Thermoskanne Tee zu greifen, während der Rumpf mit dumpfen Schlägen gegen die kurze Ostseewelle donnerte, wusste mein Körper Bescheid: Das hier geht schief.

Transparenzhinweis vorab: In meinem Logbuch verlinke ich gelegentlich über sogenannte Affiliate-Links auf Kurse und Hilfsmittel, die ich abends am Schreibtisch selbst durcharbeite. Wenn du darüber buchst, erhalte ich eine kleine Provision – für dich bleibt der Preis exakt derselbe. Ich erwähne hier nur Lernangebote, die ich wirklich selbst nutze und ausprobiert habe.

Wie ein Kölner Schreibtischtäter auf See das Gleichgewicht verlor

Als 33-jähriger Softwareentwickler verbringe ich meine Werktage normalerweise auf einem ergonomischen Bürostuhl mit zwei großen Monitoren vor der Nase. Wasser existiert in meiner Welt im Wasserkocher oder im Rhein, wenn ich auf der Hohenzollernbrücke stehe. Doch als mich mein Schwager Anfang des Jahres dazu überredete, auf seiner betagten Segelyacht für einen Frühlings-Wochenendtörn auf der Ostsee mitzufahren, fühlte ich mich unbesiegbar. Kinetose? Seekrankheit? Das betrifft doch nur Leute, die im Reisebus nicht rückwärts fahren können.

Knapp vierzig Minuten nach Verlassen der Hafeneinfahrt sah die Realität anders aus. Der Wind hatte rasch aufgefrischt – gute Windstärke 5 auf der Beaufortskala mit frischer Brise, Schaumkronen auf den Wellenbergen und einer bissigen Kälte, die durch die Segeljacke kroch. Ich stand im Cockpit, fest davon überzeugt, dass ein heißer Schluck Pfefferminztee alles richten würde. Also kletterte ich unter Deck.

Dort unten traf mich der erste fatale Reiz: Der Geruch von kaltem Dieselabgas, der sich mit der stickig-fettigen Luft der kleinen Pantry vermischte, schlug mir entgegen, als ich nach der Luke griff. Im Salon gab es keinen Blick nach draußen. Die Wände schwankten um mich herum, während mein Gehirn krampfhaft versuchte, die vertikalen Schapps mit dem flauen Gefühl im Mittelohr in Einklang zu bringen. Mein Magen rebellierte augenblicklich.

Edelstahl-Thermoskanne und Segellogbuch auf einem Holztisch

Der körperliche Kontrollverlust: Was wirklich passierte

In meiner Verzweiflung beging ich den typischen Anfängerfehler: Ich stürzte in die Vorschiffskoje, warf mich flach auf die Matratze und schloss die Augen, fest davon überzeugt, dass Liegen das Problem lösen würde. Ein fataler Trugschluss. Statt Erleichterung setzte sofort ein heftiger, eiskalter Schweißausbruch ein. Die Decke über mir hob und senkte sich gefühlt um Meter, während mein Körper in völlige Schieflage geriet.

Ich rettete mich zurück ins Cockpit an die frische Luft. Meine Knöchel traten kreideweiß hervor, als ich mich mit beiden Händen an der Reling festkrallte und das plötzliche, eisige Kribbeln spürte, das mir vom Nacken über den Kiefer schoss. Jeder, der das schon einmal erlebt hat, kennt diesen Augenblick: Der Speichel sammelt sich im Mund, die Knie zittern, und man wünscht sich nichts sehnlicher, als dass dieses Boot einfach anhält.

Mein Schwager reagierte glücklicherweise routiniert. Er scheuchte mich nicht weg, sondern drückte mir die Pinne in die Hand: „Steuer mal. Kurs 040 Grad. Halt die Nase im Wind und schau starr auf die Landmarke am Horizont.“

Ich starrte auf das Holz der Pinne und dachte mir im Stillen: Wenn du jetzt loslässt, übergibst du dich nicht nur über die Bordwand, sondern ruinierst auch noch das gesamte Wochenende für alle an Bord. Diese Mischung aus blanker Angst und erzwungener Konzentration wirkte erstaunlich. Indem ich mich auf einen fernen Punkt konzentrierte und die Bootsbewegungen aktiv durch eigene Ruderausschläge ausgleichen musste, beruhigte sich das Chaos im Kopf innerhalb einer halben Stunde spürbar. Wer sich tiefer auf solche Tage vorbereiten will, sollte vorher einen Blick in die Packliste für den ersten Bootstörn werfen, um wetterfeste Kleidung und passende Ausrüstung griffbereit zu haben.

Handpeilkompass und Segelhandschuhe auf einem Schreibtisch

Die Physik der Übelkeit – und warum Standardtipps oft versagen

Als Informatiker wollte ich später natürlich verstehen, warum mein System so spektakulär abgestürzt war. Die medizinische Erklärung für die sogenannte Seekrankheit ist im Grunde ein schlichter Sensorik-Konflikt: Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr meldet ständige Beschleunigungen, während die Augen unter Deck melden, dass der Raum stillsteht. Besonders anfällig reagiert das menschliche Vestibularsystem bei periodischen Schiffsbewegungen mit einer Frequenz um 0,2 Hz – genau die träge, schaukelnde Stampfbewegung, die Segelboote bei moderater Welle entwickeln.

Standardratgeber empfehlen fast immer dieselbe Palette: Lege dich flach hin, schließe die Augen, ruh dich im Schiffsinneren aus. Doch diese Ratschläge funktionieren nicht für jeden. Auf unserem Törn trafen wir im Gasthafen einen Segler, der als alleinreisender Vater mit zwei Kleinkindern unterwegs war. In so einer Konstellation bricht das gesamte Lehrbuch-Szenario in sich zusammen:

Aus dieser Beobachtung nahm ich eine wichtige Lektion mit: Man muss Strategien entwickeln, die im Wachzustand und unter aktiver Bewegung funktionieren. Der feste Blick zum Horizont, aktive Aufgaben wie das Führen des Ruders und der Verbleib an der frischen Luft mitten im Bootsschwerpunkt sind um Welten praxistauglicher als das passive Einigeln in einer dunklen Kajüte. Für Notfälle sollte man sich ohnehin frühzeitig mit dem Thema Erste Hilfe auf dem Boot auseinandersetzen.

Wichtiger Hinweis: Ich habe null medizinische Ausbildung und bin kein Arzt. Meine Schilderungen basieren rein auf meinen persönlichen Beobachtungen auf dem Wasser. Wenn du unter chronischer Kinetose leidest oder Medikamente in Betracht ziehst, sprich bitte unbedingt vorab mit deinem Arzt oder Apotheker.

Laptop-Bildschirm mit geöffneten Prüfungsfragen für den Sportbootführerschein See

KW 12: Der Entschluss zum Online-Kurs trotz feuchter Hände

Nach diesem Märzwochenende hätte ich das Kapitel Bootssport eigentlich frustriert abhaken können. Doch der Ehrgeiz hatte mich gepackt. Wenn mein Schwager das Schiff bei fünf Windstärken mit einer Hand am Bierbecher manövrieren konnte, musste das erlernbar sein. Ich meldete mich Mitte März für einen Online-Theoriekurs an, um den Schein von Grund auf strukturiert anzugehen.

Ich nutze dafür aktuell den Kurs Sportbootführerschein SBF See-Binnen. Mein Plan: Abends nach Feierabend mit dem Laptop auf der Couch die Module durchklicken, statt mich dienstags und donnerstags in eine überfüllte Abendschule am Kölner Stadtrand zu setzen.

Was ich an dem System schätze: Es lässt sich flexibel nach der Arbeit bearbeiten, ohne dass ein starres Klassenzimmer diktiert, wie schnell man vorankommt. Das Kombi-Paket für See und Binnen ergab für mich sofort Sinn, da ich noch nicht genau weiß, ob ich künftig eher auf holländischen Kanälen oder doch wieder auf der rauen Ostsee unterwegs sein werde. Die Quizfragen zwingen mich außerdem dazu, die Fakten wirklich abzuspeichern, anstatt Texte nur passiv zu überfliegen. Allerdings gibt es auch Kehrseiten: Ohne eine kooperierende Praxis-Bootsschule vor Ort kommt man am Ende nicht zur Prüfung – die Fahrstunden auf dem Wasser muss man sich komplett selbst organisieren. Und an Tagen mit langen Code-Reviews im Büro fehlt mir schlicht die Disziplin; das eigene Lerntempo ist Fluch und Segen zugleich. Den tagesaktuellen Preis für den Kurs findest du direkt auf der Website des Anbieters, da sich solche Angebote regelmäßig ändern.

Schon in den ersten Kapiteln zur Seemannschaft und Sicherheitsausrüstung stieß ich auf die amtlichen Prüfungsfragen. Allein im bundesweiten Fragenkatalog der WSV warten 72 Basisfragen, die sowohl für Binnen als auch für See identisch sind. Plötzlich las ich schwarz auf weiß über Crew-Briefings, Sicherheitsrollen und das Verhalten bei Schlechtwetter. Zu verstehen, warum ein Rumpf krängt und wie das Boot konstruiert ist, nahm der damaligen Übelkeit rückblickend den Schrecken. Angst entsteht aus Kontrollverlust – Wissen gibt einem diese Kontrolle Stück für Stück zurück.

Geübter Knoten an einer Stuhllehne neben Kursdreieck und BSH-Seekarte

Aus dem Logbuch: KW 28 – Physik des Gleichgewichts am Küchentisch

Im Hochsommer saß ich abends bei geöffnetem Fenster über den Navigationsaufgaben. Wenn man auf amtlichen BSH-Seekarten Kurse mit Kursdreieck und Anlegelineal konstruiert, merkt man schnell, wie wichtig ein klarer Kopf an Bord ist. Wer einmal seekrank war, weiß: Kopfrechnen oder Navigieren unter Deck ist die Vorstufe zur totalen Kapitulation.

Deshalb habe ich mir für meine künftigen Törns feste Routinen zurechtgelegt. Dazu gehört auch das praktische Training an Deck – wer den Blick nicht ständig auf ein Instrument heften will, sollte das Kurs halten nach Kompass intensiv üben, um Landmarken und Peilungen blind zu verknüpfen.

Was diese Woche tatsächlich gelernt wurde:

Was ich nochmal anschauen muss:

Fazit: Keine Angst vor der eigenen Bordwand

Wenn ich heute im Spätherbst auf die ersten Monate meiner Bootsführerschein-Reise zurückblicke, bereue ich die frostige Feuertaufe auf der Ostsee keine Sekunde. Seekrankheit ist kein Zeichen von Schwäche oder mangelnder Eignung – sie ist eine völlig gesunde Reaktion eines Sinnessystems, das evolutionär nicht dafür gebaut wurde, in einer vibrierenden Dieselkabine nach Thermoskannen zu suchen.

Wer mit Respekt an die Sache herangeht, sich an Deck nützlich macht, den Horizont im Auge behält und die theoretischen Hintergründe versteht, verliert schnell die Panik vor der Übelkeit. Wenn du selbst mit dem Gedanken spielst, den Schein anzugehen, kann ich dir den Einstieg über den Sportbootführerschein SBF See-Binnen auf dem heimischen Sofa wärmstens empfehlen. Es nimmt den Druck heraus, gibt dir Struktur zwischen den Arbeitstagen und sorgt dafür, dass du beim nächsten Mal ganz genau weißt, warum sich das Schiff unter deinen Füßen so bewegt – und was du am Steuer tun musst.

Mal kurz: Kurz: Was du hier liest, ist meine eigene Sicht -- keine Beratung. Hol dir bei Fragen zu deiner Gesundheit oder deinem Geld immer den Rat einer Fachperson, die deinen Fall wirklich kennt.