
Kappe ab, Sicherungsstift raus, Auslösen – der Übungs-Signalstab auf meinem Küchentisch in der Ehrenfelder Altbauwohnung klickt trocken, ein Dummy ohne jede Sprengladung, aber das mulmige Gefühl bleibt trotzdem: mit bloßen Händen an etwas hantieren, das im Ernstfall wirklich brennt. Genau darum geht es beim Kleinen Pyroschein FKN, dem Sachkundenachweis für Seenotsignale der Kategorie P2 – ein Baustein der SBF-Vorbereitung, den viele Bootsführerschein-Neulinge komplett übersehen, bis der Fragenkatalog plötzlich vor ihnen liegt. Der normale SBF reicht dafür nämlich nicht.
SBF und der Kleine Pyroschein FKN sind zwei verschiedene Baustellen
Der Sportbootf%C3%BChrerschein See berechtigt zwar, ein Boot zu führen, aber er erlaubt nicht automatisch, pyrotechnische Seenotsignalmittel der Kategorie P2 an Bord zu haben oder abzufeuern. Dafür braucht es den separaten Sachkundenachweis, den Kleinen Pyroschein FKN, und das Mindestalter dafür liegt bei 16 Jahren – unabhängig vom SBF-Mindestalter.
Breit gefächert ist dabei vor allem der SBF-Stoff selbst: Steuerbord und Backbord auseinanderhalten, das Kursdreieck mit Zirkel zeichnen, die Vorfahrtsregeln auf See verinnerlichen, das Betonnungssystem der Seezeichen lesen, Schallsignale den passenden Situationen zuordnen, irgendwann auch das Mensch-über-Bord-Manöver sauber fahren – jedes dieser Themen ist für sich schon ein eigener Lernberg. Der FKN dagegen blendet das alles komplett aus und konzentriert sich nur auf einen einzigen Punkt: den sicheren Umgang mit pyrotechnischen Seenotsignalmitteln.
Wer den ganzen SBF-Stoff nebenbei am Feierabend über einen Onlinekurs durcharbeitet, hat mit dem FKN ein zusätzliches Modul obendrauf – bei mir liegt neben den zwei Monitoren am Fenster ständig ein Browser-Tab mit dem Kurs offen, dazwischen stapeln sich SBF-Lehrbuch und ein Stück Seekarte, und auf dem Küchentisch türmen sich Tau-Reste neben der Knotentafel. Mein Kollege Ingo Bremer, mit dem ich täglich im gleichen Stand-up sitze, hat mir neulich heimlich einen Knoten-Karabiner zwischen die Unterlagen gelegt – ein Scherzgeschenk, weil er das ganze Vorhaben für eine Schnapsidee hält. Über genau diese Doppelbelastung habe ich schon in meinem Beitrag zum SRC Funkschein zusammen mit SBF See gejammert – der FKN reiht sich da einfach nahtlos ein.
Wie unterscheidet sich die FKN-Prüfung vom SBF-Fragenkatalog?
60 Fragen umfasst der offizielle FKN-Fragenkatalog, in der Prüfung liegt am Ende ein Bogen mit 15 davon vor mir. Verglichen mit den Hunderten Fragen im SBF-Katalog wirkt das überschaubar, aber es geht ausschließlich um Lagerung, Verfallsdaten und die rechtlichen Grundlagen des Sprengstoffgesetzes – trockener Stoff, den ich nicht einfach in Wenn-Dann-Logik packen kann, wie ich es aus meinem Entwicklerjob gewohnt bin. Erlaubt ist der Einsatz ausschließlich im echten Notfall auf See, gelagert werden müssen die Signalmittel in einem fest verschlossenen, wasserdichten Behälter, und abgelaufene Exemplare gehören als Sondermüll entsorgt, nicht in die Silvesterkiste.
Reines Auswendiglernen hat bei mir schon einmal nicht funktioniert: Navigationsformeln ohne jeden Bezug zu einem echten Boot hatte ich mir eingeprägt, und zwei Tage später war wieder alles weg. Beim FKN gehe ich es deshalb anders an und spiele die Handgriffe wirklich durch, statt nur Paragrafen im Kopf abzuspulen.
Für die praktische Prüfung muss ich zeigen, wie man eine Fallschirmrakete, eine Handfackel und ein Rauchsignal bedient, dazu auch, was bei einem sogenannten Versager zu tun ist – ein Signal, das nicht zündet, darf man nicht sofort wegwerfen, sondern muss es eine gewisse Zeit in eine sichere Richtung halten. Ein kurzes Aufflackern von Sicherheit stellt sich bei mir erst ein, wenn die Handgriffe am Übungs-Signalstab zwei-, dreimal hintereinander ohne Zögern sitzen – vorher fühlt sich jeder Versuch an wie ein Blindflug.
Charteryacht mit LED-Fackel oder eigenes Boot mit Pyrotechnik
Viele moderne Charteryachten, die Einsteiger für den Urlaub mieten, führen inzwischen gar keine pyrotechnischen Signalmittel mehr an Bord. Elektronische Notsignale und satellitengestützte Systeme wie EPIRB lösen die klassische Rakete zunehmend ab, sie sind einfacher in der Handhabung und halten länger, ohne dass man dafür einen Sprengstoffschein braucht.
Mein Nachbar Xaver Dietenbach, der seinen SBF Binnen schon vor Jahren gemacht hat und im Sommer auf dem Rhein unterwegs ist, hat mich neulich im Treppenhaus mit dem SBF-Lehrbuch unter dem Arm erwischt und mir ein paar lokale Anlaufstellen genannt, wo man Sicherheitsausrüstung und Kurse einmal in echt anschauen kann, statt nur online zu vergleichen.
Wer dagegen ein eigenes Boot besitzt oder auf älteren Yachten mitsegelt, kommt an der Pyrotechnik nicht vorbei – dort gehören Fallschirmraketen und Handfackeln oft noch zur Grundausstattung, und ohne FKN darf man sie weder kaufen noch an Bord haben. Es ist ein bisschen wie beim Vergaser, den man trotzdem einstellen können sollte, auch wenn man privat längst elektrisch fährt.
Wann sich der Kleine Pyroschein FKN wirklich lohnt
Die Antwort hängt am Ende vom eigenen Boot ab, nicht von einer pauschalen Empfehlung: Wer nur gelegentlich eine moderne Charteryacht mit elektronischen Rettungsmitteln bucht, kann den FKN erst einmal hintenanstellen. Wer selbst am Steuer eines eigenen oder älteren Boots stehen will, sollte die Pyrotechnik-Sachkunde direkt mit einplanen, weil beides ohnehin zusammengehört. Falls ihr noch überlegt, womit ihr anfangen sollt: Ob SBF See oder Binnen zuerst mehr Sinn ergibt, ist ohnehin die frühere Weichenstellung, bevor der FKN überhaupt zum Thema wird.
Ich bin kein Segellehrer und stehe in keiner Verbindung zu einem Verband oder Kursanbieter – nur ein Entwickler aus Köln, der zwei linke Hände hat und trotzdem lieber einmal zu oft übt, bevor er im Ernstfall mit nassen Händen dasteht. Wer sich beim Gedanken an Explosivstoffe genauso unsicher fühlt wie ich beim Batteriewechsel in der Fernbedienung, ist mit dieser Unsicherheit übrigens nicht allein.