
Der Zirkel liegt quer über der Seekarte, meine Hand markiert den Kurs, ohne zu zögern – zum ersten Mal seit Wochen sitzt die Linie da, wo sie hingehört. Doch dieselbe Karte bringt mich komplett durcheinander, sobald ich sie neben die Fahrrinnenpläne für den Rhein bei Köln lege. Was ich in den letzten Tagen über SBF Binnen und die Rhein-Regeln gelernt habe, wirft mein bisheriges Bild vom Wassersport in Köln über den Haufen: Ich dachte, Vorfahrt auf dem Wasser wäre wie beim Autofahren, nur nasser. Für Sportboot-Anfänger wie mich stimmt das auf dem Rhein einfach nicht.
Kurz zur Einordnung, bevor es weitergeht: Auf diesem Blog verlinke ich gelegentlich zu dem Online-Kurs, mit dem ich mich gerade durch die Theorie kämpfe. Bucht jemand darüber, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass es für euch teurer wird. Ich empfehle hier nur das, was ich selbst abends auf der Couch durcharbeite, während ich Steuerbord und Backbord immer noch manchmal verwechsle.
KW 5: Rhein-Regeln kennen kein Rechtsfahrgebot
Fünf Wochen bin ich jetzt im Kurs, und ausgerechnet das Kapitel zu den Rhein-Regeln hat meinen Autofahrer-Reflex zerlegt. Normalerweise gilt auf dem Wasser das Rechtsfahrgebot, man begegnet sich Backbord an Backbord, so weit, so vertraut. Auf dem Rhein bei Köln kippt das aber ständig, weil die Berufsschifffahrt hier andere Prioritäten hat als ein kleines Sportboot. Der Fluss ist als internationale Wasserstraße der Klasse VIb eingestuft, mit einem Verkehrsaufkommen, das mich beim ersten Lesen ziemlich eingeschüchtert hat.
Die Strömung macht die Sache zusätzlich kompliziert. Im Mittel fließt der Rhein bei Köln mit 4 bis 5 km/h, was nach Spaziergangstempo klingt, sich aber unter dem Rumpf komplett anders anfühlt. In der Talfahrt schiebt einen das Wasser regelrecht vor sich her, jedes Anlegemanöver wird dadurch hektischer. In der Bergfahrt dagegen kann volle Motorkraft sich anfühlen, als würde man kaum vorankommen. Wer wie ich mit genau diesem Unterschied zu kämpfen hat, findet die Grundlagen dazu übrigens im SBF See und Binnen Lernplan noch mal sauber aufgedröselt.
Wer weicht hier eigentlich wem aus?
Genau diese Frage hat mich in dieser Kurswoche fast zur Verzweiflung gebracht. Bergfahrer dürfen auf dem Rhein signalisieren, dass sie die Fahrwasserseite wechseln wollen, um die Strömung an den Flusskurven auszunutzen. Das Zeichen dafür ist die blaue Tafel mit weißem Funkellicht an der Steuerbordseite. Zeigt ein Schiff dieses Signal, begegnen sich beide Boote nicht mehr Backbord an Backbord, sondern Steuerbord an Steuerbord. Für mich als Anfänger fühlt sich das an, als würde mir mitten in der Fahrprüfung plötzlich Linksverkehr vorgesetzt – mein Gehirn braucht dafür spürbar länger, als jeder Bergfahrer Zeit zum Vorbeifahren hat. Genau deshalb ist mir wichtig geworden, die SBF See Ausweichregeln zu lernen, statt sie nur einmal zu überfliegen und abzuhaken.
Allein mit Hund in der engen Fahrrinne
Ein Extra-Problem kommt bei mir dazu, das im Kurs so nicht vorkommt: Ich will später oft allein mit meinem Hund unterwegs sein, nicht nur zu zweit mit freien Händen für Ruder, Leinen und Signale. Die Theorie zu einem Hafenmanöver für Anfänger lässt sich gut üben, wenn beide Hände frei sind. Sitzt aber ein 30-Kilo-Hund neben mir, der sich für jede vorbeiziehende Möwe interessiert, bleibt weniger Reaktionszeit übrig, als jede Anleitung einplant. Auf dem Rhein ist die Fahrrinne bei Köln oft schmaler, als ich das von der Karte her erwartet hätte, und ein Kegelschiff mit blauem Licht oder blauem Kegel – also mit gefährlicher Ladung an Bord – ist dabei das Letzte, in dessen Nähe ich mit einer abgelenkten Vierbeiner-Begleitung geraten möchte.
Das alte Lehrbuch von Götz hat mich ausgebremst
Mein Schwager Götz hat mir zu Beginn sein altes SBF-Lehrbuch geliehen, Ausgabe 2018, mit dem er selbst mal gelernt hatte. Eine Woche lang habe ich brav die Rhein-Kapitel darin durchgearbeitet, bevor mir beim Vergleich mit der aktuellen Kurs-App auffiel, dass sich einige Prüfungsfragen zur Rheinschifffahrtspolizeiverordnung seitdem geändert hatten. Nichts davon war dramatisch falsch, aber genug, um mich bei zwei Testfragen komplett aufs falsche Gleis zu setzen. Seitdem nutze ich das Buch höchstens noch, um mir Zusammenhänge in Ruhe durchzulesen, während ich mich für die eigentlichen Prüfungsfragen strikt an das aktuelle Kursmaterial halte.
Im Kursforum bin ich damit nicht allein: Wilfried, den ich nur aus genau diesem Forum kenne, schrieb neulich offen, dass er die Navigationsaufgabe beim ersten Anlauf nicht bestanden hat, weil er Berg- und Talfahrt in der Prüfung verwechselt hatte. Solche Beiträge helfen mir mehr als jede Lernkarte, weil ich merke, dass ich mit meinen Rückfragen nicht der Einzige bin, der hier ständig nachhakt.
Die Kurs-App abends: mein bester Freund
Dass ich für die Vorbereitung auf den Sportbootführerschein SBF See-Binnen Kurs setze, hat einen einfachen Grund: Ich sitze ohnehin den ganzen Tag am Rechner und brauche abends etwas, das sich in kleinen Häppchen zwischen Feierabend und Schlafenszeit erledigen lässt. Zwanzig Fragen zu Lichterführung oder eben zu den Rhein-spezifischen Regeln passen locker zwischen zwei Netflix-Folgen. Durch diesen Kurs weiß ich inzwischen, dass SBF-See und SBF-Binnen zwei getrennte Regelwerke sind – vorher hatte ich naiv angenommen, der Rhein würde nach denselben Prinzipien funktionieren wie die Ostsee. Für jemanden, der wie ich neben dem Job lernt, ist genau dieses Häppchen-Format der Unterschied zwischen Dranbleiben und Aufgeben.
Das nehme ich aus dieser Woche mit
Was am Ende hängen bleibt, ist keine einzelne Regel, sondern eine Gewohnheit: Bevor ich heute auf ein größeres Schiff im Rhein schaue, prüfe ich zuerst, ob irgendwo eine blaue Tafel mit Funkellicht zu sehen ist, denn davon hängt ab, auf welcher Seite ich überhaupt reagieren muss. Erst danach denke ich über Strömung, Fahrrinne oder mein eigenes kleines Boot nach. Der Rhein bei Rheinkilometer 688 mitten in Köln bleibt für mich kein Übungsrevier zum Reinschnuppern, dafür sind die Pötte zu groß und die Strömung zu ehrlich. Aber die Regeln zuerst zu checken statt zu improvisieren, ist die eine Angewohnheit aus dieser Woche, die ich mit an Bord nehmen will, sobald ich wirklich selbst am Ruder stehe.
Mitten in dieser Woche schickte mir Götz wie so oft ein Foto von einem laufenden Törn, diesmal von der Kieler Förde, mit der immergleichen Zeile darunter: 'Wann kommst du nach?' Noch vor ein paar Wochen hätte mich das nur genervt. Mit den Rhein-Regeln im Kopf macht mir genau diese Frage inzwischen eher Mut, auch wenn zwischen Theorie-Wissen und echter Fahrpraxis noch ordentlich Wasser liegt. Wer selbst gerade überlegt, den Schein zu machen: Fang einfach mit dem Regelwerk deines eigenen Reviers an, nicht mit dem, das in irgendeinem Lehrbuch zuerst kommt. Ich finde den SBF See-Binnen Kombikurs nach wie vor praktisch, weil er das Rhein-Kapitel nicht als Fußnote behandelt, sondern als eigenen Themenblock – und das hilft, wenn man wie ich fast täglich an einem Fluss vorbeikommt, der einen nicht auf die leichte Schulter nimmt.